E-Mail: kibu-elmshorn@t-online.de Die Arbeit des Kinderschutzbundes Elmshorn Der Kinderschutzbund Elmshorn hat seit 2006 den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Linderung der verschiedenen negativen Auswirkungen von Kinderarmut gelegt. Es ist uns bewusst, dass wir immer nur einzelnen Kindern und Familien helfen können und dabei Aufgaben wahrnehmen, die eigentlich die staatlichen Institutionen leisten müssten. Was ist Kinderarmut? Abweichend von der EU –Definition sind für den Elmshorner Kinderschutzbund alle die Familien arm, die zur Bestreitung des Lebensunterhaltes der Familie öffentliche Leistungen in Anspruch nehmen müssen, das sind insbesondere die Arbeitslosengeld II-Empfänger, aber auch die sog. Aufstocker, die Empfänger von Sozialhilfe und von Leistungen nach dem AsylbewerberLeistungsGesetz. (Eigentlich gehören auch alle Familien dazu, die Wohngeld oder den Kindergeldzuschlag erhalten- diese hat der KiBu Elmshorn bei den jährlichen Feststellungen aus verschiedenen Gründen aber nicht mit berücksichtigt). Allein in Elmshorn leben – nach unserer Armutsdefinition - mehr als 2.100 Kinder in armen Familien. Trotz des konjunkturellen Aufschwungs hat sich diese Zahl nicht verändert. Wie kommt der Kinderschutzbund mit den armen Familien in Kontakt? Viele Familien schämen sich ihrer Armut. Durch unser Büro in der Jürgenstraße 11 in Elmshorn (gleich hinter dem Bahnhof) haben wir seit fast vier Jahren zu vielen dort lebenden Familien vertrauensvolle Kontakte aufbauen können. Von Anfang an bieten wir jeden Dienstag eine offene, niedrigschwellige Kinderbetreuung an. In der Regel kommen zwischen 25 und 40 Kinder vom Säuglingsalter bis 16 Jahre. Viele Mütter begleiten die Kinder und einige unterstützen inzwischen unsere Kinderbetreuung regelmäßig. Teilweise hat es bis zu einem Jahr gedauert, bis wir von Überschuldung, Analphabetismus, Trennung und Arbeitslosigkeit der Eltern erfuhren. Auch heute noch werden die Bürotüren sorgfältig geschlossen, wenn eine Mutter vor Schulden mal wieder nicht weiter weiß. Die Bevölkerungsstruktur rund um unser Büro gleicht der im sog. sozialen Brennpunkt Hainholz: viele allein erziehende Mütter, sehr viele Familien mit Migrationshintergrund - Türken, Kossovo-Albaner, Iraker, Pakistani, Familien aus Sri Lanka. In diesem Stadtquartier bietet allein der Kinderschutzbund eine Jugendhilfe- maßnahme an. Im August 2013 haben wir eine türkische Erzieherin eingestellt, die in Deutschland aufgewachsen ist. So gab es keine sprachlichen Barrieren. Diese Mitarbeiterin ist derzeit in Elternzeit; ihren Platz nimmt jetzt eine armenische Grundschullehrerin ein. Viele der türkischen Mütter sind in Deutschland aufgewachsen und können beide Sprachen. Eine der asiatischen Mütter kann gut von Urdu ins Deutsche übersetzen, eine weitere spricht Arabisch. Sie kommen regelmäßig jeden Dienstag. Eine – deutsche – Mutter hilft vom ersten Tag an ehrenamtlich, auch die anderen Mütter arbeiten gerne mit und fühlen sich verantwortlich. Seit Ende 2013 beschäftigen wir für die Dienstags- betreuung zunächst zwei junge Männer, derzeit einen jungen Mann und eine junge Frau als Übungsleiter. Bei unseren konkreten Angeboten berücksichtigen wir die Wünsche der Familien. Unser Büro ist für die Familien die Anlaufstelle für alle ihre Probleme. Welche Auswirkungen hat die Armut der Familien auf die Kinder? Materielle Alltagssituation: Das Thema Geld ist in den Familien ständig präsent. Kinder hören täglich, was man sich nicht leisten kann. Die Wohnungen sind zu klein, so dass sich mehrere Familienmitglieder ein Zimmer teilen müssen und es keine Rückzugsmöglich- keiten gibt. Die Möbel sind oft gebraucht. Platz für Schreibtisch oder PC sind nicht vorhanden. Die Jugendlichen können keine Kleidung der angesagten Marken tragen. Wie hilft der Kinderschutzbund Elmshorn? Wir haben inzwischen insgesamt 1.450 Gutscheine für neue, qualitativ hochwertige Kinderschuhe gekauft und an arme Kinder verschenkt (pro Jahr 2x je 100 Stück). Zu Weihnachten geben wir Bekleidungsgutscheine ab, damit die Kinder und Jugendlichen auch einmal neue Kleidung einkaufen können. Wir erhalten viele Sachspenden, von zwei Firmen auch neue Sachen. Diese geben wir an die von uns betreuten Familien, an das Jugendamt und alle Jugendhilfe- träger, Kitas und Schulen, die bei uns Mitglied sind. Wir bezahlen Kindermöbel, Material für die Renovierung von Kinderzimmern, gebrauchte Fahrräder und Vieles mehr. Sozial: Gemeinsame Unternehmungen mit Freunden  (z.B. Kinobesuch) können die Kinder nicht bezahlen. Einladungen zum Geburtstag können im Hinblick auf die engen Wohnungen und die Kosten der Feier nicht erfolgen. Sollten die Kinder trotzdem einmal selbst zum Geburtstag eingeladen werden, so sagen sie mit fadenscheinigen Gründen ab, weil das Geld für ein Geschenk fehlt. In der Freizeit kann nichts unternommen werden. Die Schulferien verschlafen die Kinder am liebsten. Außer der vom Jobcenter bezahlten Klassenreise gibt es keine Ferienunternehmungen oder Ausflüge am Wochenende. Wie hilft der Kinderschutzbund Elmshorn? Wir geben den Kindern Geld für eine Geburtstagsfeier und feiern auch mit ihnen zusammen im Büro Geburtstag. Sie dürfen unser Büro für eine Feier mit ihren Freunden benutzen. Außerdem bekommen sie aus unseren Sachspenden ein Geschenk. Wir laden die Kinder in den Sommerferien zu zwei Freizeiten ein. In der ersten Woche der Sommerferien können 12 – 15 Kinder Ferien auf dem Bauernhof erleben. Wir holen die Kinder von der Schule ab, bringen sie zum Bauernhof und fahren sie am Nachmittag auch wieder zurück zur Schule. Jeden Tag gibt es für alle Kinder Reitstunden. Frühstück und Mittagessen bieten wir auch an. Jedes Kind zahlt pro Tag einen Euro. Außerdem verreisen wir mit 20 Kindern in den Sommerferien für fünf Tage: 2013 waren wir im Pinnebergheim Hejsager, in den Sommerferien 2014 im Fünf-Städte-Heim Hörnum. Für die Sommerferien 2015 haben wir bereits die Kanustation Mirow gebucht. Die Mitglieder unserer Jugendgruppe, ausgebildete Jugendgruppenleiter, betreuen die Kinder. Jedes Kind zahlt für diese Ferien zwischen 10 und 150 Euro, je nach Einkommen der Eltern. 2014 haben wir diese Ferien auch über das Ferienprogramm der Stadt Elmshorn angeboten. Außerdem hatten wir in der übrigen Zeit der Sommerferien unser Büro täglich für die Kinder geöffnet. Auch dieses Jahr öffnen wir nach Rückkehr von den Ferienveranstaltungen jeden Tag unser Büro uns bieten den Kindern eine „Stadtranderholung“, mit einer Übernachtung und täglicher Betreuung sowie Ausflügen an. Mit unseren „Bürokindern“ machen wir am Wochenende Ausflüge, 2013 regelmäßig auf die Wildtierstation Klein Offenseth-Sparrieshoop, wo sie bei der Betreuung der Tiere unter Anleitung helfen durften. Auf die Bildung: Für die Schule kann nur das Notwendigste angeschafft werden, besonders schöne Ranzen oder Turnbeutel oder Federtaschen sprengen den Zuschuss des Jobcenters für Schulsachen. Ein PC, an dem man für Schulreferate im Internet recherchieren muss, kann nicht gekauft, die monatlichen Kosten für das Internet können nicht aufgebracht werden. Nachhilfeunterricht ist zu teuer. Wenn die Schule nicht die konkrete Gefährdung der Versetzung bescheinigt, kann kein Nachhilfe erfolgen. Wie hilft der Kinderschutzbund Elmshorn? Wir verschenken Ranzen, die wir gespendet bekommen haben. Neue Ranzen können ausnahmsweise auf unsere Kosten auch gekauft werden. Von der Firma Veloflex erhalten wir jedes Jahr Schulmaterial, das wir an die Schulen und auch einzelne Schüler weiter geben. Im Rahmen der offenen Kinderbetreuung helfen wir auch bei den Schularbeiten. Außerdem gibt es jeden Sonnabend von 10 – 11 Uhr in unserem Büro Nachhilfeunterricht in Deutsch, Englisch und Mathematik. Im vergangenen Jahr haben wir pro Stunde zwei Euro von jedem Nachhilfeschüler verlangt, um den Besuch der Nachhilfe verbindlicher zu gestalten. Das hat sich nicht bewährt. Jetzt bieten wir die Nachhilfe wieder kostenlos an. PC´s, Laptops, ein Netbook und Drucker haben wir an besonders begabte Schülerinnen verschenkt. Auf die Gesundheit: Viele Kinder sind zu dick, da billige und dick machende Lebensmittel gekauft werden. Sie kommen ohne Frühstück in die Schule; sie bewegen sich zu wenig. Wie hilft der Kinderschutzbund Elmshorn? Wir bezahlen Frühstück und den einen Euro Selbstbeteiligung für die Schüler der Paul Dohrmann Schule und der Raboisenschule und bezahlen zwei Mal pro Woche ein gesundes Frühstück für 120 Kinder in der Kita Rethfelder Ring. Sollten wir genug Sponsoren finden und sollten sich weitere Kitas melden, so werden wir dieses Projekt ausweiten. Im Sommer 2014 haben wir auch die gesunde Brotdose wieder aufgenommen. Seit Ende 2013 gibt es in Kooperation mit dem EMTV wieder ein Sportprojekt für alle Kinder zwischen 7 und 12 Jahren. Einer unserer Jugendleiter begleitet die Jungen und –jetzt auch- Mädchen zusammen mit der Bufdi des EMTV von unserem Büro in die Sporthalle der Friedrich-Ebert-Schule und beide zusammen erteilen dort Sportunterricht für die Kinder, bringen diese anschließend auch wieder zurück ins Büro.  Unsere Kochkurse ruhen derzeit mangels Nachfrage. Beim offenen Kindertreff gibt es ausschließlich Obst und Gemüse, was die Kinder auch gerne essen. Auf Grund der erheblichen Preiserhöhung für die Äpfel mussten wir Anfang vergangenen Jahres das Apfelprojekt für die Grundschulen einstellen. Im Rahmen unseres Müttertreffs an jedem vierten Donnerstag im Monat wird mit den Müttern auch über gesunde Ernährung gesprochen. Was macht der Kinderschutzbund Elmshorn sonst noch? Wir  bearbeiten außerdem zahlreiche Hinweise auf Kindeswohlgefährdung. Nach Eingang eines solchen Hinweises findet sofort ein unangemeldeter Hausbesuch satt. Ggfls. wenden wir uns anschließend an das Jugendamt. In erzieherischen und juristischen Fragen gibt es nach Terminsvereinbarung eine kostenlose Beratung im Büro. Einige Familien betreuen wir mit allen ihren Problemen bereits seit Jahren. Für einkaufende Eltern bieten wir an jedem Sonnabend eine kostenlose Kinderbetreuung in der Innenstadt, seit 01.02.2015 im Olymp der Stadtbücherei, an. Es kommen regelmäßig 18 – 23 Kinder. Diese werden von zwei ausgebildeten Erzieherinnen – jeweils im Wechsel –und einer Grundschullehrerin betreut. Es sind immer mindestens zwei Betreuerinnen anwesend. Auch uns bekannt gewordene auffällige Kinder schicken wir hierhin, um eine fachliche Beurteilung der Erzieherinnen zu erhalten. Seit Mitte 2012 mussten wir hauptamtliche Mitarbeiter einstellen, da wir als Ehrenamtler die vielfältigen Angebote nicht allein bewältigen konnten. Wir beschäftigen jetzt zwei ausgebildete Erzieherinnen und eine Grundschullehrerin in der Kinderbetreuung der Innenstadt für jeweils 12 Stunden monatlich. Bei der Kinderbetreuung im Büro und für den Müttertreff haben wir eine Grundschullehrerin mit fünf Stunden wöchentlich eingestellt. Außerdem arbeiten zwei in der Ausbildung zum Erzieher befindliche Schüler als Jugendleiter jeden Dienstag mit. Unser Büro verwaltet seit Dezember 2013 eine ausgebildete Bürokauffrau sechs Stunden wöchentlich; eine ehrenamtliche Bürokraft ist weitere drei Stunden dort tätig, so dass wir unser Büro regelmäßig an zwei, jede zweite Woche an drei Tagen in der Woche geöffnet haben. Wir leben ausschließlich von Spenden, mit denen wir alle unsere Kosten abdecken. Elmshorn, 26.04.2015